Die Ewigkeit im Herzen erkennen

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Die Jahreslosung «Du bist ein Gott, der mich sieht» aus dem ersten Buch Mose, Kapitel 16, Vers 13, klingt vorerst mal gut zum Start in ein neues Jahr.

Oder nicht? Aber damit hat es sich für die meisten von uns schon. Oder schlagen Sie jeweils Ihre Bibel auf, um nachzusehen, wer das sagt und warum er oder sie das sagt? Das wäre natürlich schön… Wenn Sie das tun möchten, aber keine Bibel zuhause haben, finden Sie fast alle Übersetzungen online. Sehr gelungen scheint mir die der BasisBibel (2021). Statt mühsam das Bibelinhaltsverzeichnis abzusuchen, können sie online Bibelstellen und sogar Suchbegriffe eingeben, was sehr praktisch ist.

Wenn es Ihnen zu mühevoll erscheint, die Bibel zu lesen, gibt es heute genügend künstlerische Werke, die sich von ihr inspiriert haben. Aber: Bei Filmen, Romanen, Gedichten, Bildern, Predigten oder Musik ist immer ein Mensch da, der die Bibelstelle vor Ihnen interpretiert hat. Wenn Sie sie hingegen selber lesen, gar im Urtext, dann sind Sie mit Ihrer Interpretation der oder die Erste. Schöner wird es dann im Austausch miteinander.

In der Bibel steckt ein Geheimnis, das verblüffend einfach und schön ist und offen da liegt. Für uns ist es trotzdem unverständlich oder schwer anzunehmen, solange wir die geistliche, die spirituelle Ebene der Bibel nicht verstehen. Als Jesus und andere von Gott redeten, war es für sie vielleicht so ähnlich, wie wenn Sehende einem Blingeborenen Farben erklären wollten. Oder wenn der Rückkehrer in Platos Höhlengleichnis, seinen ehemaligen Leidensgenossen in der Höhle von der Welt ausserhalb der Höhle berichten wollte und es nicht klappte. Denn sie verstanden ihn nicht mehr und vertrauten ihm auch nicht genug.

All unser Nicht-Sehen, Nicht-Erkennen und Nicht-Verstehen stört unseren Schöpfer nicht. Wir sind Menschen und er hat jeden einzelnen davon unendlich gern. Das ist es, was wir ohne geistlichen Blick nicht verstehen können. Und doch hat er einen Sinn für seine Ewigkeit in unser Denken und Fühlen, in unser Herz gelegt; er hat uns seinen Geist geschenkt, um wie der Prediger zu erkennen:

"Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende." (Prediger 3,11)

Wer sich die oben erwähnte Mühe des Lesens nicht machen will, oder neugierig geworden ist, ist herzlich zum Neujahrsgottesdienst eingeladen, um zu erfahren, welch wunderschöne, beruhigende und hoffnungsvolle Geschichte mit der Jahreslosung zusammenhängt, die auch uns Licht, also Hoffnung und Freude bringen kann. Beides ein guter Auftakt ins neue Jahr, für das ich Ihnen Gottes Segen wünsche! Pfarrerin Tatjana Carpino Satz

Dieser Artikel erschien für die Kirchgemeinde Thunstetten im "Chileblatt" Januar 2023. Links vom Text war eine stark vergrösserter Ausschnitt einer Schneeflocke zu sehen.
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