Einander die Hand geben
- Thema:
- Veröffentlichte Texte
- Erstellt am
- 01.01.2021
- Autor:
- Tatjana Carpino Satz
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Wir haben nun fast ein Jahr lang geübt, wie es ist, wenn wir einander nicht mehr die Hand geben. Wie geht es Ihnen mit diesem un-freiwilligen Experiment?
Obwohl ich mich daran gewöhnt habe, wünsche ich es mir bald zurück, das Handgeben. Mir scheint, dass wir im Jahre 2020 ein wenig verlernt haben, einander die Hand zu reichen. Auf vielerlei Ebenen, z.B. alltäglich: Einander begrüssen oder verabschieden und dabei einander spüren und berühren. Denken wir noch daran, wie es einmal war?
Einander die Hand reichen zur Versöhnung, das täte auch Not, wenn man zusieht, wie sich die Welt vielerorts spaltet und teilt, sich die einen unversöhnlich gegen die anderen richten. Dialog scheint dort nicht mehr möglich zu sein. Wo sind die Menschen, die einander die Hand zur Versöhnung reichen, die einem die Freundschaft anbieten, auch wenn man ganz anders denkt und ist? Es braucht Menschen, die einem in der Not oder einfach so eine Hand reichen, die mit ihrer Hand Brücken bauen oder helfen!
"Herr, du bist mein Schutz und meine Hilfe; du hältst mich mit deiner mächtigen Hand, dass du mir nahe bist, macht mich stark." Psalm 18,36
Gottes Hand kommt in der Bibel oft vor. Sie erschafft, sie beschützt, sie straft aber auch oder greift ins Leben ein. Jesus heilt manchmal mit der Hand. Die Hand ist ein Symbol für das Handeln (Hand) für die Stärke (Faust) und für das Können (Fingerfertigkeit). Dort, wo Gott uns liebt und wir ihn, ist seine Hand Helferin und sorgt für Gerechtigkeit.
Wenn es neblig ist, dunkel und kalt, wenn uns die Hoffnung abhanden kommt, dass es wieder besser und heller wird, dann kann es sein, dass wir nicht mehr spüren, wie da eine Hand ist, die uns immer trägt, eine Hand, die immer über uns ist und uns segnet, eine Hand, die uns gerne an die Hand nehmen würde, wenn wir es nur wünschten. Ich glaube, es wird langsam wieder Zeit, dass wir uns hier und weltweit darauf vorbereiten, einander und Gott die Hand zu geben. Im übertragenen Sinn, und so bald wie möglich, auch ganz konkret, im Alltag.
Ich wünsche Ihnen für das Jahr 2021, dass Sie spüren dürfen, wie Gottes Hand immer um Sie herum ist, spürbar an Momenten der Liebe und des Friedens und erkennbar z.B. an wunderbaren Fügungen. Die Hand des Herrn sei mit Ihnen und uns allen!
Ihre Pfarrerin Tatjana Carpino Satz
Dieser Artikel erschien für die Kirchgemeinde Thunstetten im "Chileblatt" Januar 2021. Links vom text waren drei Bilder übereinander zu sehen: Ein freundschaftlicher Händendruck; Ausschnitt der Hände (Adam und Gott) aus Michelangelos Fresko in der sixtinischen Kapelle; Eine Münze mit der Darstellung von Constantinus I. im Viergespann, der seine Hand zu Gottes Hand ausstreckt, die ihm vom Himmel herunter gereicht wird.