Sabbat - Auszeit, Ferienzeit zum Wohl

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Wo werden wir im Juli, im August 2020 wohl sein? In welchem Land die hiesigen Sommermonate verbringen? Niemand kann das anfangs Juni wissen, wenn ich diese Zeilen schreibe. Wir haben uns an eine neue Unsicherheit gewöhnt. Pläne schmieden macht Sinn, die Vorfreude ist genüsslich, doch nun müssen wir auch häufig mit Enttäuschungen umgehen lernen.

Wir sind gefordert, neu zu organisieren, die Kontrolle immer wieder abzugeben und auf Kreativität, Hilfe oder gute Fügungen zu hoffen oder zu vertrauen. Wie gelingt Ihnen das? Ausser Frage steht, dass für alle, welche jetzt Ferienzeit von der Schule oder Arbeit haben, eine Zeit der Erholung nötig ist. Sport-lich, abenteuerlich, entspannend…

Oder eine Zeit, wo man durch einen gewissen Abstand wieder klarer auf den üblichen Alltag, die Schule oder die Arbeit sieht. Auch wenn diese Ferienzeit zuhause sein sollte, ist es jetzt wich-tig, etwas anderes oder etwas anders zu tun, als üblich.

Spielen, experimentieren, sich neue Aufgaben stellen, neu hinsehen oder hinhören, andere Bücher lesen, andere Filme schauen, andere Spiele spielen, anders reden, singen… Hauptsache „anders“. Warum? Weil Gott nicht Maschinen oder Marionetten erschaffen hat, sondern lebendige, intelligente, kreative, liebesfähige, wunderbare Menschen, und weil unsere „normale“ Welt dem und unserer Beziehung zu Gott viel zu wenig Rechnung trägt. Das Potential liegt leider oft brach.

Die über 3000 Jahre alte Idee vom Sabbat enthält die Erkenntnis, dass unser Alltag jeweils eine Pause zugunsten unseres lebendigen Wesens braucht: Jeden siebten Tag eine kleine Auszeit für die Hinwendung zu Gott, der ja Leben ist und für die Regeneration des ganzen Menschen und seiner Familie.

Zeit, um sich bewusst zu werden, welch ein Wunder unser Leben ist und das Leben überhaupt; wie wertvoll unsere Beziehungen sein können, die von früher und die aktuellen; wie sehr wir eben doch nicht alles im Griff haben und wie wir uns getrost in Gottes Hände fallen lassen dürfen, wo auch immer wir gerade sind. Denn er hilft uns zu leben, weil 'er' das Leben ist.

Ich wünsche Ihnen schöne Ferien in diesem Sinne und regelmässige und gesegnete Sabbat-Pausen, die Sie stärken!

Ihre Pfarrerin Tatjana Carpino Satz

Dieser Artikel erschien für die Kirchgemeinde Thunstetten im "Chileblatt" Juli/August 2020. Im Chileblatt war links vom Text ein Bild eines Radfahrers vor Sonnenuntergang, der seine Hand nach einer anderen Hand vor ihm ausstreckte.
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